29.08.25
Getrübte Glaskugel
DAX 40 Unternehmen passen ihre publizierten Erwartungen zur Geschäftsentwicklung häufiger an.

Pandemie, Inflation, Kriege, Zölle und weitere Handelsbeschränkungen. Verlässliche Annahmen zu treffen, wie sich das eigene Geschäft entwickelt, ist in diesem Umfeld schwieriger geworden. Wir haben uns die Prognosen im DAX 40 angeschaut:

Die zentralen Ergebnisse:

  • Im ersten Halbjahr 2025 haben die DAX40-Unternehmen bereits fast genauso viele Ad-hoc-Meldungen aufgrund von Prognoseanpassungen veröffentlicht wie im gesamten Geschäftsjahr 2024.
  • Unternehmen aus zyklischen Branchen, deren Geschäft stark von makroökonomischen Faktoren abhängt, haben ihre Prognosen besonders häufig korrigiert.
  • In dem herausfordernden Marktumfeld haben die Unternehmen das Niveau ihrer Prognosen im Laufe des Geschäftsjahres 2024 und in der ersten Hälfte 2025 im Schnitt leicht nach unten korrigiert.
  • Die Prognosespannen sind größtenteils stabil geblieben und haben sich im Jahresvergleich nur leicht verbreitert.
     

Weniger Planbarkeit, mehr Unsicherheit – was folgt daraus für IR und Kapitalmarktkommunikation?

  • Erklären, erklären, erklären: Umso turbulenter das Umfeld, desto besser müssen Unternehmen darlegen, wie genau sich Marktbedingungen auf ihre Geschäftsentwicklung auswirken. Einfach nur auf ein „allgemein herausforderndes Marktumfeld“ zu verweisen, schafft kaum Vertrauen – vor allem, wenn es mit der Prognose nach unten geht.
  • Erwartungen gezielt und kontinuierlich managen: die Welt dreht sich längst schneller als im klassischen 3-Monats-Takt. Umso wichtiger ist regelmäßiger und vertrauensvoller Dialog mit Investoren und Analysten – auch zwischen den Quartalsmitteilungen.

Für die Rolle von IR folgt daraus:

  • Strategische Neuausrichtung: IR muss sich vom reinen "Verkündigungsorgan" zum strategischen Partner entwickeln, der bidirektional zwischen Kapitalmarkt und Unternehmen vermittelt
  • Professionelle Unsicherheitskommunikation: Unterschiedliche Investorentypen erfordern präzise Kategorisierung von Unsicherheiten (Existenz-, Höhen-, Schutzunsicherheit) und zielgruppengerechte Informationsaufbereitung
  • Operative Integration: One-Voice-Policy zwischen IR und Unternehmenskommunikation sowie proaktive, szenariobasierte Kommunikation statt reaktiver Einzelmeldungen werden erfolgskritisch

Informationen zur Methodik der Auswertung

  • Untersuchungsgegenstand: Entwicklung der Ergebnisprognosen der DAX-40-Unternehmen im Zeitverlauf
  • Untersuchungszeitraum: Q1 2023 bis Q2 2025
  • Stichprobe: Alle im DAX-40 gelisteten Unternehmen
  • Datenquellen: Ad-hoc-Meldungen, Geschäftsberichte/Quartalsberichte, Pressemitteilungen

Erhobene Variablen:

  • Anzahl der Prognoseänderungen pro Quartal
  • Bandbreiten der Prognosen
  • Begründungen der Unternehmen ihrer Prognoseanpassungen
  • Entwicklung des Prognoseniveaus innerhalb eines Geschäftsjahres im Jahresverlauf (Zunahme oder Abnahme der Gewinn-/Umsatzerwartungen)

Berechnung:

  • Schritt 1: Je Unternehmen Berechnung der prozentualen Veränderung des Mittelwerts der Prognosespanne am Anfang eines Geschäftsjahres zum Mittelwert der Geschäftsjahres am Ende des Geschäftsjahres
  • Schritt 2: Berechnung des Durchschnittswertes für alle DAX-40-Unternehmen für ein Geschäftsjahr
  • Entwicklung der Breite der Prognosespanne im Jahresvergleich

Berechnung:

  • Schritt 1: je Quartal Größe der Prognosespanne dividiert durch Gesamtniveau der Prognosespanne (Mittelwert der Spanne); dadurch ergibt sich, wie groß die Prognosespanne prozentual im Relation zum Gesamtniveau ist
  • Schritt 2: Berechnung des Durchschnittswertes für ein Geschäftsjahres (Wert der vier Quartale eines Unternehmens dividiert durch vier) und Ermittlung der jährlichen prozentualen Veränderung.
  • Schritt 4: Berechnung des Durchschnittswertes für alle DAX-40-Unternehmen für ein Geschäftsjahr
  • Schritt 3: Vergleich der prozentualen Veränderung der Durchschnittwerte zwischen den Geschäftsjahren